Donnerstag, 27. August 2015

Kräuter vegan trotz Pferdeäpfel?

Die Begriffe vegetarisch und vegan sind zur Zeit in Deutschland lebensmittelrechtlich nicht definiert, "veggie" erst recht nicht. Das bedeutet, Produzenten, die ihre Kunden an der Nase herumführen möchten, könnten durchaus "Tierisches" verwenden und trotzdem als vegan ettiketieren.

Empörend, ja. 

Aber was ist mit Grenzfällen, dem "Graubereich", bei dem Produzenten nicht absichtlich die Kunden täuschen wollen, sondern einfach nicht daran gedacht haben, dass jemand ein Problem mit der Art ihrer Produktion haben könnte?

Oregano im Käuterbeet
Mein persönliches Beispiel ist: Ich baue verschiedene Kräuter in meinem eigenen, ganzjährig genutzten Beet inmitten eine großen Wiese an. Oregano, Grüne Minze, Lavendel, Zitronenmelisse, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch und Thymian. Als Dünger verwende ich die Pferdeäpfel, die von der Herde meines Nachbarn übrig bleiben, wenn sie meine Weide besucht haben und von den Stallburschen und -mädchen gelegentlich freundlicherweise in eine kleine Ecke der großen Wiese gekippt wird. Nach Absprache natürlich. Davon kann ich mich immer bedienen, die Kräuter und Blumen finden es fabelhaft. 

Schnittlauch mit Knospen im Frühjahr

Für mich selbst ist das Düngen mit Pferdemist (die eben auch Veganer sind) ok, aber wie ist es für "richtige" Veganer, habe ich mich gefragt. Spätestens seit ich heute morgen im Greenpeacemagazin ESSEN SPEZIAL gelesen habe, dass Franz Haslinger, bioveganer Bauer sagt, "Wirklich vegan ist eine Pflanze nur, wenn sie ohne Tierdung auf dem Felde wächst."

Das würde bedeuten, ich dürfte meine Kräuter z.B. nicht auf einem kleinen Markt als "vegan" verkaufen, wenn ich niemanden täuschen will. Juristisch ist das kein Problem, wie gesagt, ist nicht geregelt, deswegen wird mir daraus niemand einen Strick drehen. 

Rosmarin wächst gut mit Pferdeäpfeln

Aber ich finde dieses Zitat ohnehin falsch: Denn jeder Boden ist kontaminiert von Tierdung, so oder so. Alle Würmer, alle Wühlmäuse und Maulwürfe, die Ringelnatter, die Erdkröten, alle Insekten und alle Vögel hinterlassen ihren "Dung auf der Wiese, auch im Kräuterbeet. Gelegentlich kommen auch Hasen vorbei und ein Reh, ich schätze die hinterlassen auch mal ein Knötchen. Das kann und will ich gar nicht verhindern und ich bezweifle, dass Franz Haslinger das auf seinen 100 Hektar verhindern kann.

Wo ist also der Unterschied? Ist es wirklich nur das willentliche Ausbringen des Dungs versus die zufällige Hinterlassenschaft der Wildtiere? Was meint ihr dazu? Was denken "echte Veganer" darüber?

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